NO #3 „Norwegens Gasprofit”

Illustration Challenge! – 1 Artikel pro Woche

Für diese Woche ist mir ein Artikel aufgefallen, der sehr unangenehm zu lesen war. Vor allem war er über alle Maßen ungewohnt. Liest man doch über die immergrünen und fast immer kühlen skandinavischen Ländern sonst fast ausschließlich gutes, mit wenigen Ausnahmen. Unsere Presse formuliert sonst voll Hochachtung Bewunderungsartikel über den nördlichen Fortschritt und deren erhabene Lösungsansätze, die Deutschlands Umgang mit ähnlichen Problemen, meist zurecht, wie im Mittelalter dastehen lassen: Digitalisierung, Bildungspolitik, Verkehrswende, Rentensystem, Sozialsystem, Gesundheitswesen, Altenpflege, Infrastruktur allgemein, und einige Kleinigkeiten.

Nein, es fühlt sich nicht gut an, das aufzuzählen.

Die folgenden beiden Sätze aus dem Artikel zeigen in Kombination ein Dilemma, das so natürlich nicht ausschließlich in Norwegen vorkommt: »Der Wirtschaftszeitung Dagens Næringsliv (DN) zufolge verkaufte Norwegen von Januar bis März Gas für knapp 26 Milliarden Euro in den Rest Europas – ein Umsatz fünf Mal so hoch wie vor Krieg und Corona.« und »Während acht von zehn Italienern angaben, der Klimawandel sei menschengemacht, glaubten das gerade mal sechs von zehn Norwegern.«

Hier haben wir doch eine für ein kapitalistisches Wirtschaftssystem klassische Situation, die sich, wenn man an unsere Automobil-/Kohle-/Rüstungs- und Stahlindustrie denkt, vertraut anfühlen sollte. So hoffe ich jedenfalls, denn mit dem Zeigefinger auf andere zu zeigen, während wir, trotz sehr gehäuften moralisch fragwürdigen Vorfällen, Nordstream 2 in Angriff nahmen, und noch immer keine Geschwindigkeitsbeschränkung auf deutschen Autobahnen haben – beides mit sehr seltsamen Argumenten hinterlegt – wäre doch relativ unangebracht. Funfakt: Die auf Staatsfonds basierten Renten Norwegens werden zu einem großen Teil durch Einnahmen aus Öl und Gas gesichert.

An dieser Stelle gibt es jetzt mal drei nervige schwache Redewendungen:

»Jeder ist sich selbst der Nächste.«, » Schlage nicht die Hand, die dich füttert.« und »Kehre zunächst vor deiner eigenen Tür.«.

Große Unternehmen profitieren in aller Regel auf Kosten anderer. Auch wenn sich daran so schnell nichts ändert, so ist es doch eine positive Entwicklung, dass der Anteil derer, auch innerhalb der Bevölkerung, die während des Co-Profitierens auch mal hinschauen, größer wird. Und das scheint, auch in Norwegen, absolut der Fall zu sein. Das sieht man beispielsweise an der im letzten Abschnitt erwähnten Debatte, bei der viele Stimmen mehr direkte Hilfe für die Ukraine fordern. Ich bin auf jeden Fall gespannt und werde die weiteren Handlungsschritte des Landes beobachten.


Alles in allem war der Artikel zwar unangenehm, aber auch in einem Punkt etwas erleichternd. Selbst in einem Land, das sonst wie ein Paradies dargestellt wird, gibt es wohl noch Gründe sich auch mal über die Regierung zu ärgern. Ich hatte mich schon gefragt, wie man dort Kabarett machen sollte.



Die Zeichnung hat sich diese Woche quasi wie von selbst gemacht. Unerwartete 30 Minuten am Sonntag Abend. Es muss hier übrigens niemand noch schnell googeln: in Deutschland sind es 7,4 von 10.


Bis nächste Woche!

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